In Ettlingen entsteht
der erste Kernspintomograph für Pferde
Von Susanne
Kupke, dpa, 14. Jan. 2000
Karlsruhe
(dpa) - Ultraschall, Endoskopie und Computertomographie für Tiere
gibt es schon - demnächst wird es auch einen Kernspintomographen für
Pferde geben. In Ettlingen bei Karlsruhe wird ein solcher entwickelt.
Das nach Angaben des Initiators Hartmut Stephan erste Gerät dieser
Art soll zum Jahresende in einem Diagnosezentrum im rheinland- pfälzischen
Gundersheim in den Probebetrieb gehen und dann weltweit vermarktet werden.
Eine Vorläuferversion startet schon Ende Februar.
Rund 700 000 Pferde
gibt es in Deutschland. Verletzungen am Bein - von der Sehnenentzündung
bis zur Knorpelschädigung - zählen zu den häufigsten Erkrankungen
der Tiere. «Mit den jetzigen Mitteln erkennt man viele Erkrankungen
zu spät», sagt Tierarzt Stephan. Und wenn ein Hengst erst lahmt,
ist er für den Besitzer oft nichts mehr wert. Viele Tiere landen im
Schlachthof.
«Das muss nicht
sein», findet Stephan. Ein Kernspintomograph, der mit hochfrequenten
Magnetfeldern Weichteil-Strukturen auf den Bildschirm projiziert, ist für
ihn die «beste Diagnose, die es gibt». Damit sei eine gezieltere
Therapie möglich.
Zunächst startet
das private Diagnosezentrum Ende Februar mit einer speziell für Tiere
gebauten Version. Katzen, Hunde oder Pferde müssen dafür betäubt
und liegend in die Röhre hinein geschoben werden. Beim späteren
Pferdespintomograph sollen die Tiere stehend und ohne Betäubung durchgecheckt
werden.
Für Tierhalter,
die die Kosten aus eigener Tasche zahlen müssen, ist dies nicht billig.
Für die Untersuchung eines Hundes müssen sie bis zu 800 Mark
investieren. «Die meisten Leute sind bereit, viel für die Gesundheit
ihres Tieres auszugeben, wenn es ihnen sinnvoll erscheint», ist Stephan
überzeugt. Für ein Pferd können über 1 000 Mark hingeblättert
werden - «Peanuts» bei einem Turnierpferd, das stolze zwei
Millionen Mark wert ist. Auszahlen soll sich das Verfahren vor allem bei
einem geplanten Pferdekauf: Versteckte «Mängel» werden
blitzschnell diagnostiziert.
Auf die Idee des
Spintomographen für Tiere kam der Veterinär aus Stutensee bei
Karlsruhe vor vier Jahren bei der Behandlung eines Labradors. Das Tier
wurde geröntgt und in allen möglichen Untersuchungen durchgecheckt.
Nichts wurde gefunden. Schließlich überredete Stephan die Ettlinger
Firma Bruker Medical GmbH, den Hund in ein für Menschen konstruiertes
Gerät zu schieben. Dabei wurde ein Tumor im Gehirn des Tieres festgestellt.
Angespornt durch
den Hundehalter ließ Stephan eine Marktstudie für das Gebiet
zwischen Köln und Straßburg erstellen. Als diese zu einer positiven
Prognose kam, initiierte er eine Gesellschaft zum Bau des Diagnosezentrums.
Bei der Ettlinger Firma ließ er einen Kernspintomographen für
Tiere entwickeln. Die Spulen, die die elektromagnetische Energie messen,
sind dabei an die Vierbeiner angepasst. Über drei Millionen Mark investiert
die Magnostic GmbH in das Diagnosezentrum. Stephan ist «felsenfest
überzeugt, dass es funktioniert». |