Diagnoseverfahren für Kleintiere

Die Kernspintomographie in der Kleintierpraxis - eine realistische Zukunftsvision?
H. Stephan

    Will man eine Aussage über den Realitätsgehalt einer Zukunftsvision in der Gegenwart treffen, kann man sich nur fragen, warum diese Zukunftsvision plausibel ist und was für sie spricht. Eine endgültige Antwort wird sich erst aus der Retrospektive ergeben.

    Die Entscheidungen und die notwendigen Schritte, die nötig sind, um aus dieser Vision Wirklichkeit werden zu lassen, müssen aber heute erfolgen oder sind bereits gestern erfolgt. Deshalb möchte ich mich mit den Fragen auseinandersetzen, warum es sinnvoll ist, die Kernspintomographie (MRT) in der Kleintierpraxis zu nutzen, was MRT in diesem Bereich leisten kann, welche Vorteile MRT im Vergleich zu anderen, bereits breiter genutzten bildgebenden Verfahren bietet und ob MRT in der Tierarztpraxis wirtschaftlich eingesetzt werden kann.

    Dafür, daß sich die Kernspintomographie in der Tiermedizin durchsetzen wird, sprechen vor allem die hervorragenden Möglichkeiten und Vorteile, die dieses Diagnoseverfahren bietet:

  • Kernspintomographie macht Strukturen sichtbar, die mit keinem anderen Verfahren darstellbar sind.

  • Kernspintomographie hat wie Ultraschall im Gegensatz zum Röntgen den Vorteil, keine ionisierende Strahlung zu erzeugen, so daß für Patient und Untersuchenden keine Strahlenbelastung erfolgt.

  • Kernspintomographie ist als Weichteildiagnoseverfahren der Gold Standard. Dies wird auch dem weniger damit vertrauten Kollegen klar, wenn er die beiden nachstehenden Abbildungen vergleicht. Es handelt sich jeweils um axiale Schnitte durch den Kopf eines Hundes in Höhe der Paukenhöhle. Abb. 1a ist ein CT-Bild, Abb. 1b ein MRT-Bild.
  • CT-Bild MRT-Bild
            Abb. 1a CT-Bild
    Quelle: Dr.med.habil. Hartmut Friedburg
    Abb. 1b MRT-Bild        
    Quelle: Dr.med.habil. Hartmut Friedburg

  • Beim MRT ist die beliebige Schnittführung in jeder Ebene möglich, außerdem besitzt es echte 3D-Fähigkeit
    (Abb. 2), wodurch Segmentation der Bilddaten und ihre anschließende Rekonstruktion leicht möglich sind. Dem Untersucher steht hiermit ein mächtiges Werkzeug für Diagnostik und Operationsplanung zur Verfügung.

  • Seitenventrikel
    Abb. 2 Seitenventrikel eines Hundes (rechts gestaut)
    Quelle: MAGNOSTIC

  • Im Gegensatz zu allen anderen bildgebenden Verfahren kann MRT verschiedene gewebespezifische Parameter unterschiedlich gewichten und damit vollkommen unterschiedliche Bilder erzeugen (Abb. 3). Dadurch lassen sich pathologische Veränderungen wie Entzündungen, Ödeme, Knorpelschäden, Primärtumore und Metastasen (Knochen) viel sensitiver nachweisen, als dies mit anderen Verfahren möglich ist.

  • Karpalgelenk Karpalgelenk Karpalgelenk Karpalgelenk
    Abb. 3 Karpalgelenk eines Schweins mit unterschiedlicher Gewichtung der Gewebeparameter
    Quelle: MAGNOSTIC

  • Flußgeschwindigkeit von Blut kann mit MRT sehr genau gemessen werden. Dies ermöglicht eine umfassende Beurteilung der großen arteriellen Gefäße und ihrer Äste im gesamten Patientenkörper.


  • Die Temperatur von Geweben kann qualitativ und quantitativ gemessen werden. Dadurch ist die Beobachtung von Thermoablationen (Kryo/Laser/HF) in nahezu Echtzeit möglich. (Abb. 4)

  • Kyroablation Kyroablation Kyroablation
    Abb. 4 Kryoablation Schweineleber ( 0, 11 und 14 Min. nach Applikation )
    Quelle: MAGNOSTIC

  • Desweiteren sind Diffusion-/Perfusions-/MR-Spektroskopie-Messungen möglich.

  •     Tierärzte, die Patientenbesitzern optimale Methoden anbieten oder empfehlen, beweisen diesen gegenüber große Kompetenz und binden sie langfristig an ihre Praxis. Im Vortrag werden Indikationen aufgezeigt, bei denen der Einsatz der MRT die Methode der Wahl ist.

        Natürlich wird es nicht möglich sein, daß jede Tierarztpraxis über einen eigenen Kernspintomographen verfügt. Dagegen spricht der Kostenfaktor. Ein für die Kleintierpraxis geeigneter Kernspintomograph liegt in der Anschaffung deutlich über einer Million DM, dazu kommen Folgekosten von mindestens 200 000 DM pro Jahr. Nur in überregionalen, spezialisierten Zentren mit großem Einzugsbereich, wie wir es mit Magnostic realisiert haben, kann der Return of Investment erzielt werden. Jedoch: Mit der geplanten Umwandlung von Magnostic GmbH in eine AG wird in Zukunft jedem Tierarzt die Möglichkeit offenstehen, auch wirtschaftlich an diesem hervorragenden Diagnoseverfahren teilzuhaben und die weitere Zukunft der Kernspintomographie in der Tiermedizin mitzugestalten.